Kapitel 6

Und:

Innenansichten eines Kapselhotels

Raupen spinnen sich in einen schützenden Kokon ein, in dessen Innern sie sich in einen prächtigen Schmetterling verwandeln. Auch unter uns Menschen wächst in letzter Zeit das Bedürfnis, Glück in den eigenen vier Wänden zu finden.

Ich schlafe, esse, gehe zur Arbeit und privat gehe ich vorzugsweise ins Internet.

Nein, mein Hauptproblem ist nicht, keine Freundin zu haben. Das ist nur ein Nebeneffekt. Die logische Kausalität meiner Lebensführung. Würde sich eine Frau meiner erbarmen, dann wäre es so, als nähme man eine Schmerztablette, weil das Bein gebrochen ist. Symptombekämpfung eben.

Mit meinem Privatleben im Internet umgehe ich meine immer noch vorhandenen Vorbehalte gegen das Reallife. Es gibt „Safer Sex“ und „Safer Life“. Und letzeres ist das Online-Leben.

Will ich es überhaupt anders? Das RealLife hat mir bisher nicht viel „gegeben“. Denn ich lebe eher rational. Mit dem Verstand. Das RealLife da draussen -insbesondere alles, was nach 20 Uhr abends stattfindet- ist emotional. Der Tag = rational, die Nacht = emotional. Und dann werde ich unsicher. Denn gesellschaftliche Emotionalität ist unberechenbar und hat ihre Dynamik.

Tagsüber ist alles klar. Man geht zur Arbeit, man geht einkaufen. Arbeit ist logisch. Möglichst das Beste geben für möglichst viel Gehalt. Einkaufen ist logisch: Möglichst viel und das Beste kriegen für wenig Geld.

Abends sind die Ziele nicht so mehrheitstauglich. Was gefällt, ist individuell. Der eine geht ins Theater, die andere abhotten in die Disco. Abends und nachts, das ist das Leben der Erwachsenen. Derjenigen, die sich sicher sind, auf welchem Terrain sie sich bewegen. Derjenigen, die sich entschieden haben.

Bei mir weckt das nur verunsicherte Gefühle. Denn oft hat mich das RealLife enttäuscht oder gar verletzt.

Und die Wahrscheinlichkeit, abends oder nachts verletzt zu werden, ist nicht nur im körperlichen Bereich größer. Da habe ich Furcht vor der Unberechenbarkeit der Anderen. Vor der Gruppendynamik ausgelassener Leute. Vor der Ausgelassenheit, in der ich ein Fremdkörper wäre, der auffällt. Und der zur Zielscheibe würde.

Die Entscheidungen, die abends und nachts getroffen werden, sind weniger rational. Und bergen ein höheres Risiko der Fehlentscheidung. Tagsüber ein gutes Produkt zum Schnäppchenpreis gekauft? Gut gemacht! So weit, so einfach.

Möchte ich es anders? Möchte ich RealLife? Würde es mir irgendwann etwas bringen? Habe ich die Energie dazu, das Ruder herumzureissen? Hat man kein RealLife, dann hat man keinen Energiezufluss. Ich laufe ewig schon auf Reserve.

Ich frage mich, was geworden wäre, wäre das Internet nicht erfunden worden.

Aber das Internet hat auch längst seine Faszination verloren. Wie vorher das Fernsehen.

Was soll ich nur tun? Inhaltsleere macht sich breit.

Irgendwann ab 14-15 Jahren, habe ich mich vor dem Erwachsen werden gesperrt. Und mich dem Leben verweigert. Die Initiationen (raus gehen, saufen, gegen die Eltern rebellieren) fanden nicht statt. Logisch, dass ich keine Freundin hatte. Hübsch war ich zwar auch nicht, aber ich wäre auch verunsichert gewesen, so mit einem einen anderen Menschen und ohne Bedienungsanleitung.

Ich hatte Angst vor dem Freestyle. Vor den Möglichkeiten des Erwachsen seins. Als Kind hat man seine Grenzen. Gott sein Dank. Da macht man nichts falsch, wenn man sich dran hält.

Ich spüre die Verklemmung von damals noch heute wie einen eisernen Griff, der mich hielt.

Noch heute verweigere ich mich dem Leben. Ich halte das Leben für eine unsinnige Erfindung. Letztlich geht irgendwann alles verloren. Jede Sache, auch die Schönen, werden irgendwann Schmerz verursachen. Und sei es „nur“ dadurch, dass man sie verliert.

Ich weiß nicht…

Mfg Peter Pan

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~ von maeeutik - November 4, 2008.

2 Antworten to “Kapitel 6”

  1. Hey! EUGEN! versuch nicht noch einmal meine Texte zu löschen… Sonst werd ich böse!

  2. Alter fick dich, du Pisser!

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